Nachgedacht

Gedankensplitter, Anregungen, Ideen

Wie viel Erziehung brauchen Kinder?  

Man hat Kinder  - oder nach Möglichkeit auch nicht. Der Trend geht immer mehr zur Ein-Kind-Familie; wer mehr als zwei Kinder hat, gilt in unserer Gesellschaft schon als verdächtig. Man hat Kind, aber immer weniger Eltern nehmen sich Zeit für ihre Kinder.
Theresia Maria de Jong sagt: 
Eine Elterngeneration gibt ihre Autorität ab.

Die Welt ist schon hart genug. Deshalb neigen Eltern dazu, ihren Kleinen immer mehr abzunehmen. Konflikte werden im Vorfeld entschärft, unbequeme Situationen sollen gar nicht erst aufkommen. Dass Kinder auf eigene Füße kommen und lernen müssen, ihre Aufgabe in der Gemeinschaft wahrzunehmen, ist natürlich zu mühselig und konfliktbeladen; da macht Vater oder Mutter das doch besser selber.
Fachleute finden diesen Trend beunruhigend. Es ist die Kapitulation der Erziehung mit verheerenden Folgen. Denn was lernen Kinder, denen alles abgenommen wird? Oder besser, was lernen sie nicht? Tag für Tag erlebe ich es in der Schule: Kinder, denen alles in den Schoß gelegt wird, die schon längst keinen Überblick mehr über ihre Spielsachen haben, kennen den Zusammenhang zwischen Anstrengung und Erfolg nicht. Sie sollten es besser haben, aber so verwöhnte Kinder haben für ihr Leben eine schlechte Ausgangsposition. Eltern blockieren auf diese Weise die Entwicklung von Erfolgsmotivation, Verantwortungsbewusstsein und emotionaler Reife ihres Kindes.
Das ist eine bittere Erkenntnis für eine Elterngeneration, die es besser machen wollte. Man verzichtet auf Autorität und setzt auf partnerschaftlichen Erziehungsstil, wohl wissend, dass im Grund dafür den Kindern die Voraussetzungen einer vernünftigen Entscheidung fehlen. Es wird diskutiert, wo klare Grenzen und Regeln gefragt sind. Erneut bestätigen Psychologen, was schon längst bekannt ist: Kinder brauchen Grenzen, brauchen Herausforderung, auch wenn das da und dort gefährlich werden könnte. Doch wie anders sollten Kinder ihre eigenen Grenzerfahrungen machen und Gefahren einschätzen können? Stattdessen versuchen Eltern meist alles Gefährliche von ihren Kindern abzuhalten und sie aus Konflikten herauszuhalten.
Mit den besten Absichten machen so Eltern sich und ihren Kindern das Leben schwer. Psychologen sprechen hier von der Verwöhnungsfalle, in die Eltern und ihre Kinder geraten sind. Stattdessen müssten sich Eltern für ihre Kinder mehr Zeit nehmen. Aber der Weg aus diesem Dilemma ist nicht einfach. Eltern müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Und dazu gehört auch, den Kindern klar zu machen, dass im Leben nicht alles nach ihren Wünschen gehen kann.

Nach Theresia Maria de Jong


Islam - Ergebung an den barmherzigen Gott

Nach jenen schrecklichen Anschlägen vom 11. September 2001 ist der Islam verstärkt in das Blickfeld geraten. Es waren schließlich Moslems die diese Taten verübt haben. So gerät der Islam in Misskredit und wird dafür verantwortlich gemacht. Der Islam als Religion hat mit diesen Anschlägen genauso viel und wenig zu tun wie der christliche Glaube mit dem Terror in Nordirland oder im Baskenland.

Das Wesen und Ziel des Islams lässt sich sehr gut mit dem Eingangskapitel, der Eröffnungssure des Korans, der Fatiha, wiedergeben. Sie lautet: „Im Namen des barmherzigen und gütigen Gottes. Lob sei Gott, dem Herrn der Menschen in aller Welt, dem Barmherzigen und Gütigen, der am Tag des Gerichts regiert! Dir dienen wir und dich bitten wir um Hilfe. Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast, und die nicht dem Zorn Gottes verfallen sind und nicht irregehen.“ Kaum jemandem von uns würde es in den Sinn kommen, diese Worte mit dem Islam in Verbindung zu bringen. Auch wir Christen könnten diese Worte beten.

Gründer dieser Religion ist Mohamed, geboren im Jahr 570 n. in Mekka. Schon von Jugend an werden ihm prophetische Gaben zugesprochen. Er lernt als 15jähriger die Heiligen Stätten des Judentums und Christentums kennen und hat jüdische und christliche Ratgeber. Voll Ehrfurcht denkt er über beide Offenbarungs- und Buchreligionen. Insbesondere schätzt er die Verehrung des einen Gottes. Doch der geistliche und moralische Verfall im christlichen byzantinischen Reich schreckt ihn.

Etwa um sein 30. Lebensjahr beginnt Mohamed seine Offenbarungserlebnisse niederzuschreiben. Insgesamt 113 Suren sind so entstanden, der Koran. Ist die entscheidende Aussage im Christentum „Gott wird Mensch“, so muss man vom Islam wohl sagen „Gott wird Wort“. In den Worten des Koran manifestiert sich Allah auf Erden und fordert seine Menschen auf, den rechten Weg, den Weg der Erleuchtung und Ergebung in den Willen Gottes zu gehen.

Das Leben des Moslem ist in der Hauptsache durch fünf grundlegende Forderungen. An erster Stelle steht das Bekenntnis zu dem einen Gott, Allah, und seinem Propheten Mohamed. Fünfmal am Tag soll der Moslem beten. Er soll einen Monat lang, im Monat Ramadan, Fasten, das heißt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Essen noch Trinken. Er soll Almosen für die Bedürftigen geben und, soweit es ihm möglich ist, eine Wallfahrt nach Mekka unternehmen. Der Koran verspricht zwar dem Gläubigen das Paradies, der für den Glauben sein Leben lässt, aber zum Heiligen Krieg ruft er nicht auf. Vielmehr zollt der Islam Juden und Christen große Hochachtung, weil auch sie an einen Gott glauben.

Friedrich Seegenschmiedt

Ewigkeitssonntag -
mit dem Tod leben und aufs Leben vertrauen


Ja zum Tod zu sagen fällt uns schwer. Denn vom Tod spricht man nicht. In einer Gesellschaft, in der nur zählt, was jung, dynamisch, schlank, gesund und attraktiv ist, in der alte Menschen zum Renten-, Pflege- und Kostenproblem werden, das man am liebsten vom Halse hat, treten Krankheit, Behinderung und Tod nicht mehr öffentlich in Erscheinung, sondern werden an den Rand, in eine Ecke geschoben, die man nicht unbedingt betrachten oder gar betreten muss.

Dennoch müssen wir uns dem Sterben und dem Tod stellen, spätestens dann, wenn Angehörige oder gar wir selber davon betroffen sind. Zunehmend jedoch wollen Menschen dieser Herausforderung, die Sterben und Tod ans Leben stellen, aus dem Weg gehen. Der Trend zur Befürwortung „aktiver Sterbehilfe“ steigt, vor allem seit in den Niederlanden dies gesetzlich geregelt ist. Und doch ist das nur scheinbar eine Antwort auf Sterben und Tod. Es sieht nur so aus, als hätten wir damit nun auch den Tod im Griff. In Wirklichkeit handelt es sich hier nur um eine
Kapitulation.

Für uns als Christen gibt es weder einen Grund, Sterben und Tod aus dem Weg zu gehen noch vor ihm zu kapitulieren. Im Glauben an Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat und auch uns aus dem Tod auferwecken wird, haben wir die beste Antwort auf alle Infragestellung des Lebens durch den Tod. Wir blicken nicht in ein dunkles Loch. Wir fallen nicht ins Leere. Vielmehr dürfen wir auf Gott schauen und uns in seiner Hand geborgen wissen. Darum ist die liturgische Farbe dieses Sonntags auch die Christusfarbe Weiß. Wir schauen auf unseren Heiland und Erlöser Jesus Christus.

Das feiern wir in unseren Gottesdiensten und Andachten am Ewigkeitssonntag. Gewiss, der Schmerz des Verlustes wird wieder wach, doch zugleich können wir dem Leben vertrauen, das kein Tod uns nehmen kann, weil Gott es uns gibt. Wenn wir uns an diesem Sonntag unserer Verstorbenen erinnern, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass sie bei Gott gut aufgehoben sind.

Friedrich Seegenschmiedt